Realitätscheck: On-Page-Optimierung für Zweifler
Wenn ihr schon lange genug im Netz unterwegs seid, habt ihr vermutlich widersprüchliche SEO-Ratschläge gehört. Der eine schwört auf Keyword-Dichte, der nächste erklärt sie für tot. Was stimmt also wirklich bei der On-Page-Optimierung?
Suchintention schlägt Keyword-Match
Google zeigt für "beste Laufschuhe" mittlerweile auch Seiten an, die diesen exakten Begriff nie verwenden. Warum? Weil der Algorithmus versteht, dass jemand, der das sucht, Kaufberatung will – keine Definition von Laufschuhen. Analysiert die Top 10 für euer Ziel-Keyword. Welche Fragen beantworten sie? Welches Format dominiert (Listen, Anleitungen, Vergleiche)? Das ist eure Vorlage.
Core Web Vitals sind real, aber nicht alles
LCP (Largest Contentful Paint), FID (First Input Delay), CLS (Cumulative Layout Shift) – seit 2021 Ranking-Faktoren. Aber ehrlich: Ihr braucht nicht die perfekten Werte. Die Google Search Console zeigt euch, ob eure Seiten "gut", "Verbesserung erforderlich" oder "schlecht" abschneiden. Konzentriert euch auf die schlechten Seiten. Von "Verbesserung erforderlich" zu "gut" zu kommen, bringt marginal weniger als von "schlecht" zu "ok".
Mobile-First ist keine Option mehr
Google crawlt primär die mobile Version eurer Site. Desktop-Only-Content wird ignoriert. Testet eure wichtigsten Seiten mit dem Mobile-Friendly Test. Achtet besonders auf: anklickbare Elemente mit mindestens 48px Abstand, Schriftgröße ab 16px, keinen horizontalen Scroll.
Featured Snippets haben eine Formel
Position 0 wirkt wie Glückssache, folgt aber Mustern. Für "Was ist X"-Anfragen: Definiert X in 40-60 Wörtern direkt nach einer H2-Überschrift. Für "Wie mache ich X": Nummerierte Liste mit 3-8 Schritten, jeder Schritt 1-2 Sätze. Google bevorzugt klare Strukturen, die es direkt extrahieren kann.
Duplicate Content wird überschätzt
Ihr werdet nicht abgestraft für identischen Content auf mehreren Seiten. Google wählt einfach eine Version aus und ignoriert die anderen. Das Problem: Ihr konkurriert mit euch selbst. Produktbeschreibungen vom Hersteller übernehmen? Tausende andere Shops tun das auch. Eure Chance auf Rankings sinkt, aber es gibt keine Penalty.
Outbound Links sind nicht schädlich
Der Mythos, externe Links "vererben" Autorität und schwächen eure Seite, hält sich hartnäckig. Falsch. Google bewertet Seiten, die auf relevante Quellen verlinken, oft als hilfreicher. Verlinkt auf Studien, Tools, weiterführende Ressourcen – wenn es dem Leser hilft.
LSI-Keywords sind Marketing-Erfindung
Latent Semantic Indexing klingt wissenschaftlich, hat aber mit modernem Google nichts zu tun. Schreibt natürlich über euer Thema, und ihr verwendet automatisch verwandte Begriffe. Tools, die "LSI-Keywords" verkaufen, zeigen oft nur Synonyme oder verwandte Suchanfragen.
Page Experience ist ein Tiebreaker
Zwischen zwei inhaltlich vergleichbaren Seiten kann die bessere User Experience den Ausschlag geben. Aber Content-Relevanz wiegt deutlich schwerer. Eine technisch perfekte Seite mit dünnem Inhalt verliert gegen eine langsamere Seite mit substanziellem Content.
On-Page-SEO entwickelt sich ständig weiter, aber die Grundprinzipien bleiben: relevanter Content, technische Zugänglichkeit, und eine Struktur, die Menschen und Maschinen verstehen.